Donnerstag, 2. August 2012

Versorgungsalptraum

... Der Kerl kommt also auf einem Bauernhof an. Freundliche Leute da.
Der Bauer ganz hilfsbereit erklärt ihm, er wäre auch schon unterwegs
gewesen, damals als Tagelöhner, er kennt das, ist eine harte Zeit, aber
genauso schön auch. Man trifft Menschen, lernt was dazu, sieht was
anderes, kommt mal raus … und wie sie da stehen und sich unterhalten,
schlägt der Bauer ihm vor, ein paar Tage auf dem Hof zu bleiben, Arbeit
gäb es genug, ein Bett und drei Mahlzeiten am Tag, das wäre zwar nicht
viel, aber immerhin, alles vom feinsten, morgens frischer Kaffee,
gekochte Eier, Speck, mittags deftige Brotzeit mit Käse und Fleisch,
abends was vom Grill und ein warmes Bett für die Nacht, Dusche und so
weiter, Wäsche könne er auch waschen, er würde gar nicht mehr weg
wollen, wenn er mal eine Zeit am Hof gewesen sei. Also sagt der Mann zu
und fängt an, den Holzstoß zu bearbeiten, der da liegt. Arbeit für eine
Woche. Am Abend hängt ihm der Magen in den Knien und er kommt
verschwitzt aus dem Holzschober, freut sich auf ein Steak mit Salat und
ne Kanne Bier dazu, aber es geht aus küchentechnischen Gründen nicht.
Man hat ja nicht mit einem zusätzlichen Gast gerechnet gehabt, muss erst
einkaufen, deshalb fällt das Abendessen flach, aber er kann sich sicher
sein, dass die Vereinbarung eingehalten wird, klar. Auch das mit dem
Bett geht natürlich nicht sofort, er kann ja erst mal in der Scheune
übernachten, sobald alles gerichtet ist, kriegt er dann die versprochene
Unterkunft. Also gut. Ein Abend, eine Nacht, ein Morgen. Frühstück ist
noch nicht klar, da gibt es noch eine Unstimmigkeit in den Absprachen
mit Arbeitgeber und Versorgungsstelle, sprich Hausfrau, man weiß auch
nicht, wie das ganze jetzt rein buchungstechnisch zu regeln sei, aber
darum wird sich die Hausfrau kümmern. Erst mal ran ans Werk! Also
arbeitet der Mann den zweiten Tag in Holz, Hof und Garten und verzichtet
auch auf das Mittagessen, nur ganz ohne geht es eben nicht, darum macht
er sich mittags zur Tafel auf, um dort wenigstens den Magen mal fürs
Erste voll zu kriegen, zumindest die größten Versorgungslücken zu
stopfen. Doch an den Tafeln erklärt man ihm, man könne ihm nichts geben,
denn es sei gemeldet worden, er habe jetzt eine feste Arbeit und bekäme
Essen und Unterkunft, also ist er rein objektiv gesehen beschäftigt in
einer Art von festem Arbeitsverhältnis und somit nicht bezugsberechtigt.
Er geht also zurück und arbeitet den Nachmittag noch einmal mit leerem
Magen, schläft in der Scheune und beginnt, sich Gedanken zu machen. Was
dazu führt, dass er am nächsten Morgen doch auf auf seinen Anspruch zum
nächsten Frühstück hinweist. Das soll er haben, nur eben geht das nicht
sofort, auf so einem Hof, da ist eine gewisse Vorlaufzeit normal, man
wolle mal sehen, was sich zum Abend hin machen ließe. Der Tag verläuft
etwas holprig, denn jetzt schlägt der Hunger durch, und als das
Abendessen ausfallen muss, weil die Einstufung immer noch nicht geklärt
werden konnte – man wird ihn für den einen Abend als Säugling verbuchen,
was eine Schale mit Kinderbrei bedeutet – ist der Kerl allmählich
bedient. Er unterhält sich wieder mit dem Bauern, und der stellt in
Aussicht, die geleistete Arbeit spätestens in diesem, jedoch ganz sicher
im nächsten Quartal auszuzahlen, heißt: er kann dann jederzeit kommen
und sein Abendessen einnehmen, ohne vorher arbeiten zu müssen, die
Arbeit sei ja schon geleistet. Drei Monate später erhält der Mann eine
Nachricht, sein Kinderbrei sei für geleistete drei Tage Arbeit
küchenfertig, er könne ihn jetzt abholen kommen. Der Mann will
verzichten, aber das geht rein küchentechnisch nicht, denn a) sei er
jetzt schon haushaltstechnisch eingeplant und b) müsse von den Erträgen
je etwa ein Viertel entsprechend der angegebenen Abgabestufe an die
Tafeln weiter gereicht werden. Er habe dafür Sorge zu tragen, dass die
Nahrungsmittel entsprechend abgeführt würden und das ohne Verzug. Das
ganze sei jedoch nur Fabel und obendrein geträumt. Man wacht schweißnass
im Bett auf und denkt sich …

Sassi: Noch ein Kaffee?
Nummer 1: Danke, ich hab schon!
2: Träumst du?
1: Ich muss eingenickt sein. Die Steuererklärung …
2: Achso.

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