2 kehrt mit Milchkaffee und Espresso Macchiato an den Tisch zurück.
1: Na, das nenne ich eine sorgfältige Zubereitung!
2: Meinsten damit?
1: Siebenunddreißig Minuten vom Start bis zur Auslieferung. Hab
mitgestoppt.
2: Die Sache will durchdacht sein.
1: Wasn daran zu durchdenken?
2: Also, ich mach den Espresso in den Siebträger für den Milchkaffee ...
muss man vorher an die Milch denken, weil wenn man sie hinterher
aufschäumt, wird der Espresso zwischenzeitlich kalt. Also ERST Milch
aufschäumen. Überlege ich beim Aufschäumen, dass wenn der Espresso für
den Milchkaffee rauskommt, die Tasse für den Espresso noch kalt ist.
1: He?
2: Ich wollte ja parallel nen Espresso machen.
1: Espresso Macchiato, ja.
2: Der Macchiato kommt erschwerend hinzu.
1: Rumdasdenn?
2: Weil wenn ich die Espressotasse erwärme, bevor ich die Milch für den
Grand Creme aufschäume, werden beide Tassen kalt, bevor der Espresso in
die Tassen kommt. Dann war alles umsonst.
1: Also?
2: ... also erst aufschäumen, dann erwärmen, dann aufbrühen.
1: Ist wohl ne Frage der Reihenfolge.
2: Struktur in die Arbeitsprozesse bringen.
1: Apsolut.
2: Na, ich schäume also die Milch gleich in der Tasse für den Grand
Creme auf, um Abwasch zu vermeiden, da geht mir auf, dass ein Teil vom
Milchschaum in die Espressotasse muss, bevor ich den Espresso ziehe, und
schon hab ich den Salat.
1: Warum?
2: Weil ich die kleine Tasse nicht mehr erwärmen kann, wenn Milchschaum
drin ist.
1: Welche jetzt?
2: Die für den Espresso.
1: Warum hast du die nicht VORHER erwärmt, und dann erst den Milchschaum
hinein gemacht?
2: Weil, ich wollte doch den Schnorchel von der Schaumdüse erst säubern.
Man hält den am besten in klares Wasser.
1: Macht die Sassi das auch so?
2: Nehme ich an. Ist jedenfalls optimiert. Das Verfahren.
1: Das sehe ich.
2: Jo, also, wenn man die Düse in der Espressotasse reinigt, erwärmt
sich dabei die Tasse, man kann den Milchschaumübertrag machen, die
beiden halben Portionen mit Espresso auffüllen, alles ist sauber, heiß
und gleichzeitig parat.
1: ... und du sparst Abwasch ...
2: Richtig!
1: Optimierte Verfahrensabläufe.
2: Sag ich doch.
1: Und die Sassi?
2: ... hat mich gebeten, das mal eben selber zu machen, weil sie an
ihrem Qualitätsmanagementhandbuch schreibt.
1: QM-Handbuch! Na, da habt ihr euch ja schön ergänzt. Praxis und
Theorie unter einem Dach.
2: Höre ich da eine feine Ironie aus deinen Worten?
1 (zögert): Dein optimierter Milchkaffee schmeckt Scheiße!
2 (probiert): Mein Macchiato auch.
1: In der Praxis. Die Theorie ist einwandfrei. Gebe ich zu.
2: Danke!
1: Siebenunddreißig Minuten, mein Arsch!
2: Das ist der eigentliche Kern der Sache, denke ich.
1: Welcher Sache?
2: Qualitätsmanagement.
1: Achso
... im Bad sind es die Herren, in der Muppetsshow die Griesgrame vom Balkon, im Café haben wir das Sagen.
Samstag, 24. März 2012
Montag, 19. März 2012
Kochkurs
Sie lag in seinen Armen, er bewegte sich nicht. Schlief. Sie konnte nicht schlafen, wagte aber auch nicht sich zu rühren. Sie genoss seinen starken Arm um ihre nackte Brust. Es war warm genug. Wärmer, als es die anderen hatten, die, die nicht zu ihm kriechen durften. Es zwickte an ihrem Knie und sie wollte sich nicht kratzen. Kratzen würde Bewegung nach sich ziehen, das wiederum könnte bedeuten, dass der neben ihr liegende Mann wach würde und dies könnte bedeuten, dass er sie fortschickte, fort, zu den Schweinen. Dort nämlich, in der Nähe des Kobens, mussten die anderen nächtigen, um nicht zu erfrieren. Sie hatte Glück! Nur ein Floh, oder zwei, vielleicht auch eine Wanze, hier in dem Bett des Herrn. Unten hatten sie Krätze, Flöhe, Läuse und was der Allmächtige überdies an Kreaturen den Sündern zugedacht hatte. Es bewegte sich bisweilen unterm Schorf, Frostbeulen juckten eines Tages weniger. Sie hatte Glück, dass der Herr sich für sie entschieden hatten. Das Glück der jungen Jahre. Ihre Haut war noch weich, nicht so faltig und ranzig wie die der alten Greta. Sie war auch nicht mager wie Gunhild, deren Wangen so eingefallen waren, wie die des Sensenmannes. Ihre Augen stachen auch nicht gelblich hervor wie die Lisbeths. Und sie hatte noch fast alle Zähne im Mund, was bei der schmalen Kost und den harten Bedingungen an ein Wunder grenzte. Dieser Gesundheit hatte sie es zu verdanken, dass ihr Atem nicht nach Fäulnis roch und die Körpersäfte nicht beißend, so dass sie Tränen in des Herrn Augen trieben. Nun, er schien auch noch gut im Saft und er stank nicht so entsetzlich wie die Viecher. Er schätzte es, wenn sie sich nicht puderte, wie die Damen es taten. - Apropos Puder, Sassi musste noch Zucker in die Dosen füllen. - Obwohl sie sich nicht bewegt hatte wurde der Herr wach, reckte und räkelte sich, sie spürte seine Manneskraft nahe ihrer Schenkel. - Was für eine gequirlte Scheiße ... - Sassi legte den Stift beiseite, schäumte Milch auf und fluchte. Warum in Dreiteufelsnamen musste sie auch diese Sache so ernst nehmen und sich Mühe geben? Verdammt. Da gewinnt man mal was. Einen Schreibkurs der VHS bei einem Deutschlehrer, nein, einem verhinderten Poeten mit einem Kopf wie einer umgekehrten Pyramide. Nicht alles, was eine hohe Stirn hat, hat auch Interessantes dahinter - aber, seis drum. Erst Bücher lesen wie bekloppt - historische Romane. Und dann eine Schreibübung. Versetzt euch in die Lage einer Frau im Mittelalter ... Lage, das war ihr einziger Anhaltspunkt gewesen. Und was für eine Anspielung: Lage und Mittelalter. Der durchschnittliche Schreibkursteilnehmer erinnerte in Aussehen und Alter an eine sterbende Schildkröte. Lieber hätte sie den Kochkurs gewonnen! Oder gar nix!
Samstag, 17. März 2012
css Style-Schiet
1: Machtn die Sassi den ganzen Tag hinter der Theke?
2: Lesen.
1: Lesen? Was denn?
2: Jeden Tag ein Buch. Keine Ahnung, vielleicht eine Wette.
1: Jeden Tag ein Buch? Gibt es denn so viele?
2: Apsolut!
...
1: Also, ich hatte auch schon mal eins. Glaube, ich hab's verliehen.
2: Fachbuch oder Belletristik?
1: ... aber echt, du schmeißt hier mit Wörtern um dich!
Sassi (legt ihr Buch weg): Manchmal fühle ich mich von den Buchstaben belästigt.
1 (zu 2): Spricht sie mit uns?
1 (zu Sassi): Machst du mir noch einen starken Braunen?
Sassi: Klar doch!
Rainer kommt vom Klo (ganz stolz): Ich hab ne VIER gekackt!
Sassi dotzt ihren Kopf gegen die Gaggia (zu sich): Herzlichen Glückwunsch!
2: Lesen.
1: Lesen? Was denn?
2: Jeden Tag ein Buch. Keine Ahnung, vielleicht eine Wette.
1: Jeden Tag ein Buch? Gibt es denn so viele?
2: Apsolut!
...
1: Also, ich hatte auch schon mal eins. Glaube, ich hab's verliehen.
2: Fachbuch oder Belletristik?
1: ... aber echt, du schmeißt hier mit Wörtern um dich!
Sassi (legt ihr Buch weg): Manchmal fühle ich mich von den Buchstaben belästigt.
1 (zu 2): Spricht sie mit uns?
1 (zu Sassi): Machst du mir noch einen starken Braunen?
Sassi: Klar doch!
Rainer kommt vom Klo (ganz stolz): Ich hab ne VIER gekackt!
Sassi dotzt ihren Kopf gegen die Gaggia (zu sich): Herzlichen Glückwunsch!
Dienstag, 13. März 2012
intelligent technology
1: ... hört sich an wie eine Sekte.
2 (legt die Zeitung weg): was?
1: intelligent ... technology - man möchte unwillkürlich bei Hubbard nachschlagen.
2: Gibt es eigentlich Wörter, die auf ...ogy enden und keine psychischen Defekte benennen?
1: Doug Adams hatte eins: Hitchhikers Gide
2: He?
1: Trilogy
2: Ich dachte, der hätte fünf davon geschrieben!
1: Siehst du, das ist es, was ich mit intelligent meine!
2: Boff! ... alors
1: Hammse einem von diesem Proweider aus ne Mahnung per Mail auf einen Account geschickt, den sie stillgelegt haben, weil die Rechnung nicht bezahlt war. Danach wundern sie sich, dass kein Geld kommt. Der Kunde ruft da an, hat die Kundendienstnummer gewechselt. Neuer Anschluss - immer besetzt. Am Ende kriegt der Kunde mit Mühe raus, was da gelaufen ist und bringt die Sache in Ordnung. Kundendienst schreibt: wir bedauern, Ihnen nicht helfen zu können. Wie der Kunde es endlich geschafft hat, eigenhändig das Internet wieder ans Netz zu bringen, findet er ne Mail in seinem Postkasten: bitte nehmen Sie sich einen Moment Zeit, unseren Kundendienst zu bewerten. Wir sind ständig bemüht, unsere Leistungen zu verbessern.
2: Kundendienst heißt ja wörtlich nicht Dienst AM Kunden, sondern Dienst DES Kunden.
1: Die Firma flimmert ja jeden Abend übern Fernsehbildschirm: 1&....
Sassi: Noch jemand Kaffee?
1: Wenn ich den nicht selber kochen muss und meine Tassen selber spülen ...
Sassi (zu 2): Hat der denn heute?
2: 1&2 Servicewüste entdeckt.
Sassi: Wo, hier?
1: Absolut nicht, absolut nicht.
Sassi: Was ist mit dir? Auch noch was Heisses?
2: Jjjja!
2 (legt die Zeitung weg): was?
1: intelligent ... technology - man möchte unwillkürlich bei Hubbard nachschlagen.
2: Gibt es eigentlich Wörter, die auf ...ogy enden und keine psychischen Defekte benennen?
1: Doug Adams hatte eins: Hitchhikers Gide
2: He?
1: Trilogy
2: Ich dachte, der hätte fünf davon geschrieben!
1: Siehst du, das ist es, was ich mit intelligent meine!
2: Boff! ... alors
1: Hammse einem von diesem Proweider aus ne Mahnung per Mail auf einen Account geschickt, den sie stillgelegt haben, weil die Rechnung nicht bezahlt war. Danach wundern sie sich, dass kein Geld kommt. Der Kunde ruft da an, hat die Kundendienstnummer gewechselt. Neuer Anschluss - immer besetzt. Am Ende kriegt der Kunde mit Mühe raus, was da gelaufen ist und bringt die Sache in Ordnung. Kundendienst schreibt: wir bedauern, Ihnen nicht helfen zu können. Wie der Kunde es endlich geschafft hat, eigenhändig das Internet wieder ans Netz zu bringen, findet er ne Mail in seinem Postkasten: bitte nehmen Sie sich einen Moment Zeit, unseren Kundendienst zu bewerten. Wir sind ständig bemüht, unsere Leistungen zu verbessern.
2: Kundendienst heißt ja wörtlich nicht Dienst AM Kunden, sondern Dienst DES Kunden.
1: Die Firma flimmert ja jeden Abend übern Fernsehbildschirm: 1&....
Sassi: Noch jemand Kaffee?
1: Wenn ich den nicht selber kochen muss und meine Tassen selber spülen ...
Sassi (zu 2): Hat der denn heute?
2: 1&2 Servicewüste entdeckt.
Sassi: Wo, hier?
1: Absolut nicht, absolut nicht.
Sassi: Was ist mit dir? Auch noch was Heisses?
2: Jjjja!
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