... im Bad sind es die Herren, in der Muppetsshow die Griesgrame vom Balkon, im Café haben wir das Sagen.
Freitag, 12. August 2011
Rainers Kolumne
Gestern kommt Rainer durch die Tür, setzt sich auf den kaputtesten der Stühle und erklärt, man müsse jetzt langsam mal ernsthaft was unternehmen. Mit der alten Hexe drüben. Gemeint ist die hintere Nachbarin. Ihr Grundstück stößt an der Stelle mit dem Cafe zusammen, also mit der gepflasterten Parzelle dahinter, auf der man drei Kisten Cola, einen Panda und den Besen für den Winterdienst abstellen kann, also an der Stelle, wo das alte Gartenhaus steht, da war schon lange keiner mehr drin. Geht auch nicht, weil das ewig unter Wasser steht. Das liegt an der alten Hexe, denn von der kommt das Wasser. Jedes Mal, wenn es regnet, ergießt, das kann Rainer einem zeigen, sich ein Bach über den Hof, der kommt aus dem Gartenhaus, und dort, auch das kann Rainer einem zeigen, mündet er direkt aus dem Grundstück von der Hexe, die endlich mal was tun muss, damit das aufhört. Die Leute werden immer frecher. Die Welt besteht nur noch aus Verrückten! Die alte Hexe ist Gottseidank schwerhörig und Rainer der Besitzer. Der hat sich das erarbeitet (wenn er nicht gerade was geerbt hat wie das Cafe, den Hof, das Gartenhaus, das sein Vatter selbst gezimmert hat, also eigentlich alles) hart erarbeitet im Leben. Man kriegt nichts geschenkt. So ist das. Der Schuppen ist marode und fällt bald zusammen. Eigentlich schon seit fünfzehn Jahren, aber da wird sich Rainer bald drum kümmern, das muss erhalten werden, da wurden früher sogar Tomaten angebaut. Die will er im Cafe verkaufen. Aber vorher muss die Alte mal endlich Pflichten Eigentum verpflichtet alles verfallen faul die ganze Welt lebt nur auf seine Kosten - das muss ein Ende und überhaupt. Heute morgen steigt die Sassi auf das marode Dach, weil erstens hat sie einen Splin, der befiehlt ihr, überall drauf, ein und runter zu steigen, was alt und verfallen ist, um zu spekulieren, wie die Leute früher gelebt haben, und zweitens steht neben der Gartenlaube ein Wasserfass, wo nix mehr drin ist und da holt sie für gewöhnlich das Wasser fürs Basilikum, davon geht ne Menge durch, alle zwei Tage muss das ordentlich bewässert werden, am besten mit Regenwasser. Nichts da, Leitung verstopft trotz Regen. Oben sieht sie die Rinne: verstopft, das Wasser von den Sturzbächen des Superregensommers läuft kubikmeterweise über die Kante als Wasserfall - na, wohin? In Nachbarins Gärtchen. Und macht dort alles kaputt. Dann dreht es um, weil Wasser nunmal nicht den Berg rauf will, und bahnt sich den Weg durch die Mauselöcher in Vatterns Tomatenhäuschen. Sassi, ordentlich, wie sie ist, holt den Schmodder aus der Rinne, Nachbarin lädt sie zum Kaffee ein, Sassi kuckt auf die Uhr und kann nicht, denn da ist ja noch die erste Bürgerpflicht der Kellnerin, die Pünktlichkeit. Zurück am Arbeitsplatz geht's los, volle Kante. Rainer hat die Schnauze endgültig voll, aber sowas von. Er muss aber auch alles alleine machen. Mal fünf Minuten ist man weg, da steht die Bude offen und das Personal ist nicht in Sicht. Alle drei Jahre, denkt Sassi, alle drei Jahre ist Rainer mal da, und in diesen Zeiträumen glückseliger Abwesenheit hat er sich seinen zweiten Vornamen erarbeitet, aber sowas von. Und außerdem hat Sassi wohl nicht begriffen, was er ihr gestern nahegelegt hätte. Dass sie gefälligst mal der alten Hexe den Marsch zu blasen hat. Aber klar. Er kann sich schließlich nicht ... um ALLES selber kümmern. Der Name? Achso - Rainer, Rainer Schwachsinn. Seit elf ist der wieder auf Mallorca. Oder vorm Fernseher, wer weiß ...
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