Das Klarspülwasser wird heiß, die Milchkanne beschlägt. Sassis Wangen auch. Oh, Mann und dann der Ronny gestern, in der Sprachenschule, gebürtig in Gera, spricht einen Akzent, also schon Deutsch, ganz so als wolle sich in seinem Mund eine Schlange selbst erwürgen. Eine leichte Verzögerung der Vokale in der dritten Silbe kommt hinzu. Kanner nix für - geht wohl nicht anders. Zudem hat er nur miesepetrige Geschichten auf Lager, alles ist immer irgendwie umsonst, es gibt keine Chancen, alles ist schlecht. Ein Quell guter Laune. Dann seine Geschichte: Als Kind vom Apfelbaum gestürzt, auf eine Harke, mit den Lendenwirbeln, Koma, Rollstuhl, Sprechen lernen, heute noch beeinträchtigt. Behinderung, die er im Vorstellungsgespräch verschweigt. Kündigungen folgen auf Kündigungen. Anerkennung auf 50% + Schwerbehinderung hat er nicht bekommen, nächste Kündigung, weil die Firma ihn als Schwerbehinderten wollte und nicht nur als Behinderten. Der Quell an guter Stimmung hat wohl seinen Grund für den Gesichtsausdruck, als habe er 40 Jahre in einem Bunker im Krisengebiet gehockt. Mit dem Spanischkurs sieht er seine Chance: Fremdsprachenkorrespondent im Homeoffice.
Draußen sind es heute 16 Grad. Drinnen alles beschlagen. Einer hustet. Sassi wischt sich mit dem Handrücken eine Strähne aus der Stirn: Jemand was dagegen, wenn ich die Tür eine Weile offen lasse?
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