Freitag, 11. Februar 2011

Für einen Milchkaffee (Stühlchenhocker classics)

2: Sassi, bleibt mein Kaffee?
1: Dammicht, diese Mexikanerin schmeckt wie Kameldung.
2: Ich wollt ja nichts sagen, aber das ist genau mein Eindruck. Das Ding hier ist echt unrauchbar. Wenn ich nicht bald einen Kaffee bekomme, dann brennt mir der Prügel ein Loch ins Zäpfchen.
1: Manche entwickeln sich erst nach ein paar Zügen. Die kann man dann gut zu Ende paffen, sobald die Geschmacksnerven mal am Arsch sind.
2: Also, bei dem Teil hier ist es so weit. Die sind seit einer halben Stunde am Arsch. Aber das Röllchen hier ist immer noch striktamente unrauchbar.
1: Sa-ssssiiii! Erste Hilfe!
2: Kenner do. Wenn man die Mädels emo braucht ...
1: Dann sitzt man da in seinem Leid. Und schmort.
2: Muß ich dem Dominique sagen. Die muß der sofort aus dem Sortiment nehmen. Am besten schreibt man ans Handelsministerium. Daß sie den Import gleich ganz stoppen. EU weit. Sowas gehört zu den Aufgaben vom Grenzschutz.
1: Vielleicht haben wir die falsch herum angeraucht.
2: Hab auch schon überlegt. Aber das Deckblatt stimmt.
1: HAT die überhaupt ein Deckblatt?
2: Meinst du, das könnte vielleicht Plastik sein?
1: Daß die noch eingeschweißt wäre? Das wär ja ein Ding!
2: Das würde zumindest einen Teil ihres Geschmacks erklären helfen.
1: Sassi? Ist denn die?
2: Ruf doch gleich nachm Notarzt!
1: Guter Einfall. Vielleicht ist der sogar zufällig hinten in der Küche.
2: Das würd auch erklären, wo sich die Sassi rumtreibt. Die Frauen stehen ja auf Mediziner.
1: Geld, mein Lieber. Sie stehen auf Kohle.
2: Durchweg. Das ist auch der Grund, warum Männer diesen ganzen Lifestyle-Protzmist praktizieren. Die arbeiten die weibliche Wunschlage stellvertretend ab.
1: Oh! DESHALB sind wir rund um die Uhr nur am schuften?
2: Du sagst es, mein Lieber! Absolut. Jedenfalls diejenigen, die das Prinzip nicht durchschauen.
1: Yeah, das leuchtet ein. Vielleicht hat das auch entfernt damit zu tun, daß wir hier ohne Ladies hocken.
2: Fehlende Kohle?
1: Nope. Die mangelnde Bereitschaft, sich dafür voll und ganz ins Zeug zu werfen.
2: Ab-so-lut! Saskia! Aiuto! Dove stas?
1: Wir könnten ja damit aufhören.
2: Ich hab vor langem damit aufgehört. Was meinsten du?
1: Mit den Mexikanern. Doch nicht mit den Frauen.
2: Das ist die Idee.
1: Andererseits ...
2: Die Frauen. Das ist die Idee, nicht die Zigarren. Ein Mann darf vor sowas nicht zurück schrecken.
1: Jo, irgendein Feld muß Mann ja haben, auf dem er sich beweisen kann. Ich meine, den Frauen beweisen, daß er zu allem bereit und fähig ist - für sie. Sogar zu so einem Stumpen.
2: Also, ich verfolge gerade den Gedanken, ob es nicht sinnvoll wäre, das Konzept der Frau komplett zu verwerfen.
1: Verwerfen?
2: Jo, alleine bleiben, glücklich sein, no maams club.
1: Wie weit bist du in der Theorie? Grundlagenbetrachtungen?
2: Etwa an dem Punkt, wo Einstein 1918 war.
1: Apropos - Gewußt, daß es einen Single-Malt mit Namen Bundy gibt?
2: Sasssssiiiii! Bleibt mein Bier? Ich meine Kaffee.
1: Echt, ne total verkackte Zigarre. Das wäre was für den Mann mit der Hand im Hosenbund.
2: Im Internet diskutieren sie diesen Spruch vom Al Bundy, wo er die amerikanische Unabhängigkeit auf Kaffee und Bier zurück führt.
1: Kaffee und Bier? Coffee and Cigarettes kenne ich. Hat aber mitem Bundy nix zu ...
2: Er sagt, Amerika hätte sich nicht durch Wahlen von England losgesagt, sondern indem sie den beschissenen Tee in den Müll geworfen hätten und anständigen Kaffee stattdessen getrunken. Und statt Wein hätten sie eiskaltes Bier.
1: Absolut männlich, die Ansicht. Nur ist gegenwärtig weder Tee noch Kaffee da.
2: Noch Frauen.
1: Die einzig gute Szene von Coffee and Cigarettes ist die, wo Tom Waits mit ... wie heißter?
2: Iggy Pop.
1: Jo.
2: The Godfather of Punk.
1: Punk ist Dreck oder sowas in der Art?
2: Heißt, glaube ich, wörtlich armselig.
1: Dabei kommt mir die Zigarre in den Sinn. Die beste, die ich je geraucht habe, war eine mexikanische.
2: Ah?
1: Und die schlechteste offensichtlich auch.
2: Was war die beste Szene in dem Film?
1: Wo sie sich das Rauchen abgewöhnen wollen ...
2: Ah! Klar.
Saskia taucht am Tisch auf, wedelt mit der Hand vor ihrem Gesicht und hustet beim Reden: Jungs, könnt ihr nicht draußen eure Socken toasten?
1 legt instinktiv die Zigarre in den Ascher. 2 tut es ihm nach. Die Schwaden legen sich allmählich. Saskia öffnet die Tür.
1: In den Artillerieschlachten achtzehn-neunzehn-Hundert, wo sie noch mit Schwarzpulver geballert haben ...
2: Machst du mir maln Kaffee, Sassi?
Saskia: Klar, sobald ich den Weg zur Maschine finde.
1: Ich dachte, du hättest das Prinzip Frau verworfen?
2: Theoretisch, mein Lieber, theoretisch!
1: Oh, ja. Praktisch hast du ihr gerade den Wunsch von den Augen abgelesen.
2: Welchen Wunsch?
1: Eine total abgestürzte Zigarre aufgegeben. Die unverzichtbare männliche Bitterkeit sozusagen gewaltsam erstickt. Und das ganze Opfer nur für eine Frau. Ob die Mädels so viel brachiales Entgegenkommen überhaupt zu schätzen wissen?
2: Vermutlich nicht. Die stecken doch alle in ihrer Prinzessinnen-Phantasie fest.
1: Vielleicht ist es auch falsch, sie gleich so mit seiner ganzen aufgestauten Liebe und Hingabe zu überschütten. Und alles nur für ein flüchtiges Lächeln.
2: Für einen Milchkaffee. Jetzt bleib mal aufm Teppich!

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